Kleiner Crashkurs in Bundeswehr gefällig, Frau Ministerin?

«Dürfen unsere Bundeswehr dabei nicht schwächen»: Christine Lambrecht. Foto: Christophe Gateau/dpa
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von MICHAEL STING

BERLIN – Sehr geehrte Frau Lambrecht. Ich schlage Ihnen einen Crashkurs in der Bundeswehr vor…

Sie sagten kürzlich im Bundestag: „Der Gepard ist kein Panzer. Der Gepard ist ja dafür da, zum Beispiel auch kritische Infrastruktur zu schützen – dadurch, dass er mit diesem Rohr in die Luft schießt und dort sehr weit Objekte eben auch erfassen kann. Das kann der Panzer nicht.“

Dann sorgen wir mal für Aufklärung Frau Lamprecht. Wat is en Panzer?

Da stellen wir uns mal ganz dumm und sagen einfach, dass der Gepard- Flugabwehrkanonenpanzer ein Panzer ist, weil er neben der Ausstattung auch schon den Namen Panzer in sich trägt.

Aber wahrscheinlich ist dieses Thema untergangen, als Sie für Ihren Sohn den Hubschrauberflug nach Sylt für Ihren Sohn organisiert haben, während 2 Fahrzeuge plus Personenschützer die Strecke auf dem Landweg zurücklegen durften. Aber sind ja nur 470 Kilometer und die zahlt ja eh der Steuerzahler.

Was mich aber an der ganzen Geschichte wieder einmal schockiert ist, dass wir erneut eine Ministerin haben, die absolut keinen Bezug zur Truppe hat.

Eine Ministerin, die der Bundeswehr ein Haltungsproblem attestiert hat. Eine Nachfolgerin, die nicht zu Ihrer Amtsübergabe erscheint. Und jetzt Frau Lamprecht, die alles andere als das Vertrauen ihrer Soldaten gewonnen hat.

Wie kann man als Verteidigungsministerin keinen Draht zu Ihren Untergeben haben? Der Grund ist ganz einfach. Weil Sie sich nicht mehr mit dem deutschen Militär identifizieren können.

Der letzte Minister, der das geschafft hat, war Karl Theodor zu Guttenberg. Selbst wenn es sehr viele politische Kritikpunkte an ihm gab, so hat er doch zumindest die wesentlichste Aufgabe erfüllt. Seine Soldaten fühlten sich bei ihm sicher aufgehoben und er hat Ihnen das Gefühl vermittelt, dass er sich für Sie interessiert. Er sprach mit den Soldaten, machte sich Notizen und kümmerte sich oft innerhalb von Tagen um deren auch kleine Sorgen.

Leitende Offiziere erhielten seine private Handynummer, damit Sie ihn über den kurzen Dienstweg direkt erreichen könnten, falls es Probleme oder Sorgen gab. Und hat Lösungen gefunden in Bezug auf Ausrüstung oder Kommunikationswege in die Heimat, wenn sich Soldaten im Auslandseinsatz befanden. Daran sollte sich unsere Ministerin mal ein Beispiel nehmen.

Welche Bedeutung ein Militär für sein Land hat, dürfte jetzt hoffentlich nach dem Ukraine-Krieg den meisten Menschen endlich bewusst werden. Doch selbst mit den 100 Milliarden Euro „Sondervermögen“ für die Bundeswehr (was de Facto auch nur Schulden sind ), bleibt die Ausstattung der Truppe katastrophal. Diese 100 Milliarden reichen nicht einmal annährend, um die Defizite der vergangenen Jahre auszugleichen. Seit 2006 wurden pro Jahr lediglich zwischen 1,14  bis 1,39 Prozent des BIP für die Bundeswehr investiert und liegt damit sehr weit entfernt von dem NATO-Ziel von zwei Prozent des BIP, zu dem die Bundesrepublik Deutschland sich verpflichtet hat.

Darüber hinaus werden allein für eine vernünftige Munitions-Reserve 20 Milliarden Euro benötigt.

Die derzeitigen Reserven reichen sofern noch funktionstüchtig und effizient gerade einmal, um ein paar Tage im Verteidigungsfall kämpfen zu können. Dann können die Soldaten höchstens noch zu einem Bajonett-Angriff eingesetzt werden. Wir können es auch Suizid-Kommando nennen.

Was aber noch weniger beachtet wird. Soldaten brauchen auch eine entsprechende Ausbildung und Zeit, ihr Handwerk zu erlernen. Nehmen wir als Beispiel den Kampftaucher. Die Grundausbildung bis zum Erlangen des Feldwebeldienstgrades erstreckt sich über einen Zeitraum von drei Jahren. Darauf folgen noch zwei Jahre Spezialisierung, damit der Soldat handlungssicher und vollständig einsatzbereit ist, um die körperlichen Vorrausetzungen wie Lungenvolumen und technische Erfahrung beispielsweise zum Entschärfen von Wasserminen zu erlangen.

Corona hat besonders in Bezug auf die Ausbildungsplätze in der Bundeswehr schwere Schäden verursacht.

Ein letzter Punkt. Es wird allen Soldaten gerne unterstellt, dass Sie grundsätzlich rechts und daher schlecht sind. Ich möchte nicht bestreiten, dass es rechtsradikale Einzelfälle in der Bundeswehr gibt. Einen Teil deckt der militärische Abschirmdienst bereits erfolgreich auf. Ein Teil bleibt weiterhin unentdeckt. Was wir aber bei alldem nicht vergessen dürfen. Im Ernstfall sind es gerade diese Leute, die unser Land schützen. Und solange diese Soldaten mit Herz und Blut ihre Kräfte und ihre Ausbildung rein zur Verteidigung unserer Verfassung und unseres Landes verwenden, ist mir ihre religiöse oder politische Einstellung ziemlich egal. Denn der britische Philosoph Bertrand Russel hat genau erkannt, was letztendlich bei einem Krieg entscheidend ist.

„Der Krieg entscheidet nicht darüber, wer Recht hat, sondern nur darüber, wer übrigbleibt.“

Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/183106/umfrage/anteil-der-militaerausgaben-am-bip-in-deutschland/

 

Bildquelle:

  • Christine Lambrecht: dpa
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